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Die Gottfried-Silbermann-Orgel
in der Evangelischen Kirche zu Reinhardtsgrimma von
Kristian Wegscheider und Hartmut Schütz
Geschichte Orgeldisposition Reparaturen
und Änderungen Brief Kantor Franz vom 24.9.1852 Gedanken
zur Restaurierung 1997
Brief von Kantor Franz
1852
Einige Nachrichten über
die Orgel in der Kirche zu Reinhardtsgrimma.
Es ist diese Orgel im
Jahr 1731, den 6. Januar eingeweiht und von Gottfried
Silbermann, Orgelbauer in Freiberg erbauet worden. Die
hiesige Kirchgemeinde erhielt sie für den Preis von
800 Thalern. Im Jahre 1776 mag sie einer Reparatur von
Adam Gottfried Oehme, einem Schüler Silbermanns, unterlegen
haben, wie dieß aus dessen Namenszeichnung an der Claviatur
zu ersehen ist. Was aber damals daran gethan worden
ist, darüber läßt sich etwas Bestimmtes nicht sagen,
da darüber keine Nachrichten aufzufinden sind; jedoch
kann man mit Gewißheit annehmen, daß die damaligen Spanbälge
neu eingebunden worden sind, indem sich davon Spuren
vorfanden. - In sehr schlechten Händen mag dieses Werk
eben in den Jahren 1809 oder 1810 gewesen sein, indem
sich bei der Reparatur im Jahr 1852 ergab, daß früher
schon zinnerner Conducten vorhanden gewesen sein mußten,
die aber, schändlich genug, weggenommen und durch hölzerne
ersetzt waren. Der Name dieses Orgelschänders mag der
Nachwelt verschwiegen bleiben. - Seit mehr als 20 Jahren
war daher der Wunsch rege geworden, das Werk einem geschickten
Manne zu übergeben und herstellen zu lassen.
Der Hoforgelbauer Herr
Jehmlich fertigte 2 Mal Anschläge zu einer vorzunehmenden
Reparatur, ohne daß dieselbe zur Ausführung kam. Dem
Unterzeichneten gelang es jedoch im Jahre 1852 die so
lange gewünschte Reparatur zur Ausführung zu bringen.
Herr Orgelbauer Carl Traugott Stöckel aus Dresden, gebürtig
aus Dittersdorf bei Zschopau, einem Schüler des weit
berühmten Hoforgelbauers Jehmlich in Dresden, wurde
der Bau übertragen, nachdem derselbe in Hennersdorf
bei Frauenstein eine ganz neue Orgel mit 13 klingenden
Stimmen, außerdem Pedalcoppel, Manualcoppel und Klingelzug,
im Ganzen 16 Register erbaut hatte. Mit seinem Gehilfen
Herrn August Reichel aus Bobershau bei Zöblitz hat Herr
Stöckel folgende Reparaturen an diesem Orgelwerke vorgenommen:
Die frühern Spanbälge
mußten, da der Wurm sehr bedeutenden Schaden angerichtet
hatte, beseitigt werden. An deren Stelle wurden neue
Kastenbälge, nebst neuem Querkanal und Klingelzug gefertigt.
Die Windladen wurden
herausgenommen und mit neuen Kanälen versehen, da die
alten ebenfalls sehr wurmstichig waren. Sämtliche Schleifen
wurden neu beledert und an mehren die Löcher vergrößert.
Die Ventile wurden zum Herausnehmen eingerichtet und
neue Federn untergesetzt. Da die frühern Pulpeten sehr
entzwei waren, so wurden an deren Statt messingne Büchsen
mit hindurchgeführtem Argentan-Draht eingesetzt. Der
Tremulantenzug wurde verändert und verlegt, und an dessen
früherer Stelle ein Pedalcoppelzug angebracht; denn
da früher das Pedal stets ins Manual spielte, so wurde
eine Vorrichtung angebracht, wodurch das Pedal vom Manual
getrennt und allein gespielt werden kann. Der Tremulantenzug
kam an die Stelle der frühern Klingel, dieser aber wurde
im Claviaturschranke eine andere Stelle angewiesen.
An 4 Stimmen, der Rohrflöte 4 Fuß, Gedackt 8 f. Rohrflöte
8 Fuß, und Nassat, wurden sämtliche Pfeifen mit neuen
Füßen versehen, da die frühern vom Oxid so angegriffen
waren, daß sie brachen. 28 Stück Holzpfeifen wurden
ganz neu gemacht und im Subbaß wurden mehre mit neuen
Decken versehen, indem auch hier der Wurm große Zerstörung
angerichtet hatte.
Statt der später eingesetzten
hölzernen Conducten wurden wieder zinnerne angefertigt
und das Verführungsstück, worauf die Principalpfeifen
stehen, wurde neu gemacht. Die Claviaturen wurden größtenteils
neu belegt und die Pedalklaviatur ganz neu gemacht.
Dem Klappern im Regierwerke wurde nach Befinden durch
stärkere Stifte und stärkere Drähte, auch durch Betuchung
und Belederung abgeholfen. Ueberdieß wurden sämtliche
Pfeifen gereinigt und geputzt und die im Prospecte poliert.
Der Anschlag zu vorstehender
Reparatur war anfangs auf 249 rt. festgestellt. Da aber
bei Abtragung der Orgelpfeifen sich noch so mancher
Fehler zeigte, so wird Herr Stöckel diese Summe wohl
bis auf 300 rt. erhöhen müssen, und wird derselbe bei
dieser Summe keine Schätze sammeln können, wie dieß
bei Künstlern immer der Fall ist, aber die Nachwelt
wird erkennen, daß dieses Orgelwerk bei ihm in guten
Händen gewesen ist, wovon Alle die seine Arbeiten in
Augenschein nehmen, überzeugt sind. Gott möge dem geschickten
Orgelbauer Herrn Stöckel noch viele Jahre des Lebens
und der Gesundheit schenken, damit er durch seine Kunst
und uneigennützige Tätigkeit noch vielen Gemeinden nützlich
werden kann.
Du aber, mein lieber
Orgelbauer, der du einmal diese Schrift zuerst in die
Hände bekommst, nimm es freundlich auf, was dir hier
gesagt worden ist. Uebergieb diese Zeilen meinem dereinstigen
Nachfolger im Amte und bring ihm meinen Gruß.
Reinhardtsgrimma den
24. September 1852. Ernst Heinrich Franz Lehrer
und Kantor.
Schlußbemerkung. Der
jetzige Collator ist Herr George Ruschenbusch auf und
zu Reinhardtsgrimma, vermählt mit Frau Ernestine Auguste
geb. Freiin von Brandenstein aus Reinhardtsgrimma. -
Der Pfarrer Herr Paul Constantin Bruckner geht von hier
nach Schönbach bei Colditz und wird seine Stelle besetzt
von Herrn Franz Otto Stichart, der Zeit Pfarrer in Jöhstadt.
Derselbe hielt den 15. p. Trin. seine Probepredigt und
wird den 19. Oder 20. p. Trin. seine Antrittspredigt
halten. Weiter

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